Ein Parfüm ist Poesie ohne Worte

Der Duft-Designer Michael Förster erläutert im Interview, wie Männer das richtige Parfüm finden und welche Mythen falsch sind. Er fordert, dass Parfüms wieder als das angesehen werden, was sie sind: Kunstwerke.

Mit männlichen Düften assoziieren viele holzig-herbe Duftnoten. Zu Recht?
Dass holzig-herbe Noten nur in Männerparfüms vorkommen ist ein Mythos. Man findet sie auch in Frauenparfüms, etwa Samsara von Guerlain. Allerdings haben sie sich bei den Frauen nicht so durchgesetzt wie bei den Männern.

Gemäss einer Studie vermitteln herbe Düfte Seriosität. Sind sie daher eher fürs Büro geeignet als für den Ausgang?
Das kommt drauf an. Ich plädiere immer dafür, dass Männer Düfte tragen, die ihnen gefallen, mit denen sie sich im Moment wohlfühlen. Das kann auch im Büro durchaus ein zitrisch-frischer Duft sein. Was wichtig ist, ist jedoch, es nicht zu übertreiben. Wenn einen noch die Kollegen vom Nebenbüro zu riechen vermögen, dann ist das denen lästig. Genauso im Restaurant, wenn das eigene Parfüm auch zwei Tische weiter noch wahrgenommen wird. Weniger ist manchmal mehr.

Prada

Prada

«Luna Rossa» ist elegant und modern zugleich. Lavendel, Zitrusessenzen von Bergamotte und Patchouli gehen eine frische Verbindung mit Ambroxan ein. Das Set enthält ein EdT, 150 ml, mit trendigen Beutel.

Boss

Boss

«Bottled Eau de Parfum» ist eine intensive und aufregende Weiterentwicklung von Bottled EdT, die die bekannten Inhaltsstoffe komplett neu interpretiert. Ab 1. September 2020 erhältlich.

In der Werbung wird der Mann, der ein Parfüm verwendet, häufig als Rebell oder verwegener Kerl gezeigt. Riechen denn Männerparfüms nach Abenteuer?
Männer sind heute immer noch sehr stark in ihrer soziokulturellen Rolle gefangen, zum Beispiel in ihrem Vaterdasein, im Geschäft, aber auch in der Partnerschaft. Das Unangepasste, wonach sie sich sehnen, ist Authentizität. Sie wollen sehr gerne nur sie selbst sein und keine Rolle ausfüllen müssen. Dabei helfen ihnen Parfüms, weil sie ihre Persönlichkeit unterstreichen.

Welche Duftstoffe sind bei Männerparfüms derzeit beliebt?
Ambroxan, ein synthetischer, aber sehr teurer Duftstoff. Es handelt sich um eine warme, holzige Note. Man findet ihn in allen aktuellen Parfüms.

Viele denken, dass echte Duftstoffe besser sind als synthetische. Liegen sie falsch oder richtig?
Es gibt synthetische Duftstoffe, die natürlich nicht vorkommen, die sehr gut sind. Echt ist dann besser, wenn man zwischen synthetisch und echt wählen kann, wenn also beide Varianten vorkommen. Allerdings gibt es manchmal sehr gute Gründe, warum dennoch synthetische Stoffe verwendet werden. Bereits in den 1920er-Jahren einigten sich die Parfümhäuser, aus Gründen des Tierschutzes nur noch synthetischen Moschus zu verwenden. Hätten sie das nicht getan, wären die Moschushirsche heute ausgestorben.

Jean Paul Gaultier

Jean Paul Gaultier

«Le Mâle le Parfum» ist wie eine Sturmwarnung. Kardamom sorgt für Action, Lavendel für Tiefe und Natürlichkeit, Vanille für Verführung.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seit einigen Jahren sind Unisex-Düfte beliebt. Was halten Sie davon?
Ursprünglich waren Duftwasser nicht für ein Geschlecht konzipiert. Ich halte heute noch nicht viel davon, zwischen Düften für Männer und Düfte für Frauen zu unterscheiden, weil ich gegen Kategorisierungen bin. Jeder soll das Parfüm finden, das zu seiner Persönlichkeit passt, das ihn inspiriert, mit dem er sich wohlfühlt. Es gibt sogar Herrendüfte, bei denen man weiss, dass sie zu mehr als 50 Prozent von Frauen angewendet werden. Der Konsument mag es allerdings, wenn er geleitet wird. Vom Marketing her macht die Unterscheidung daher Sinn.

Wie findet Mann ein Parfüm, das zu ihm passt?
Die Antwort ist banal: Man soll sich auf die eigene Nase verlassen. Man muss riechen. Ob man einen Duft mag oder nicht, weiss man sofort. Düfte haben eine sehr starke emotionale Komponente. Man entscheidet sich nicht mit dem Kopf für einen Duft, sondern gemäss seinen Gefühlen. Ich sage immer: Man soll sich selbst gerne riechen. Wenn man auf den richtigen Duft trifft, dann weiss man das.

Wie gehen Sie vor, wenn Sie einen Duft entwickeln?
Es kommt darauf an. Manchmal lasse ich mich inspirieren. Bei Cool Water vom Wasser, vom Meer, das ich liebe, von der Farbe blau. Man macht immer auch ein Konzept. Wichtig ist auch, dass der Duft zum Modehaus, für das man den Duft entwickelt, passt. Opulente orientalische Noten für einen Designer, der für seine reduzierte Mode bekannt ist – das ist keine gute Idee.

Welche Wünsche haben Sie für die Parfümindustrie?
Düfte haben eine unglaubliche Banalisierung erfahren. Überall wird beduftet, in U-Bahnstationen, in Supermärkten. Man kann ruhig sagen, dass wir eine «Überduftung» haben. Das führt zu einer dauernden Überreizung. Gleichzeitig wurden Düfte zu einem Gebrauchsgegenstand degradiert. Ich würde mir wünschen, dass Parfümhäuser ihren Kreateuren wieder genug finanzielle Mittel zur Verfügung stellen würden, um mit den besten Rohstoffen der Welt Kunstwerke erschaffen zu können. Ich selbst nenne mich nicht Parfümeur, sondern Duft-Designer. Wer Parfüms entwickelt, soll wie ein Künstler agieren. Denn Parfüms sind Poesie ohne Worte. Also Kunst.

 

Der Duft-Designer Michael Förster
Michael Förster ist seit vielen Jahren Duft-Designer. Sein erstes Werk war Zino von Davidoff. Dabei durfte er den legendären Zino Davidoff kennenlernen. Sein grosser Erfolg war Cool Water von Davidoff. Förster war dabei für die Lancaster Group tätig. In diesem Zusammenhang entwickelte er auch alle Wolfgang Joop-Düfte. «Ich durfte grosse Erfolge feiern und hatte eine gute Trefferquote. Daneben habe aber auch ich Düfte gemacht, die nicht funktioniert haben», sagt er.

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